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Reflexionen  


4. Kapitel: Prinzipien der Soziallehre der Kirche: Beteiligung
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Konsum ... das Begehren aufs Neue zu entflammen


 
Karol Giedrojc
 
Der Markt verkauft heute immer weniger Güter und vielmehr Sinn. Durch den Konsum versucht der moderne Mensch, Enttäuschungen auf der existenziellen Ebene zu kompensieren. Das Wesen des Konsums ist es aber in Wirklichkeit, das Gefühl des Unbefriedigtseins ständig weiter zu vertiefen.

 
 
Langst kaufen wir nicht deswegen, weil wir etwas
brauchen, sondern weil wir das nicht bekommen, was uns erfüllt. Hätten wir im Laden das bekommen, was uns glücklich macht, könnten viele Geschäfte sofort schließen und ein großer Teil der Wirtschaft wäre langst Pleite gegangen. Was den Menschen tatsächlich erfüllt, das bleibt diesen bis heute oftmals unklar (...)
 
Man weiss aus Erfahrung, dass mit dem Kaufen und dem steigenden Konsum die Enttäuschung darüber wachst, das Gewünschte nicht bekommen zu haben, sobald man das Gewünschte gerade bekommen hat. Wenn die Enttäuschung mit dem steigenden Wohlstand wachst, sind die Wünsche des Menschen auch in unserer Zeit der Hyperproduktion der Waren tatsachlich unerfüllbar.

 
Unbefriedigtsein auf hohem Niveau

Vielleicht geht es in der vom Markt konstruierten Konsumlogik gerade darum, den Menschen mit dem zu verführen, was ihm die Erfüllung nur verspricht, aber nie schenken kann. Dessen Unbefriedigtsein auf hohem Niveau zu halten und ihm zu versprechen, dieses Unbefriedigtsein zu stillen, scheint gerade der Punkt zu sein, an dem der Markt wesentlich hängt: das Begehren der Kunden aufs Neue zu entflammen.

Grundbedürfnisse wie Essen, Wohnen und Kleidung sind wohl für die meisten in den reichen Ländern langst gestillt. Das Begehren des modernen Menschen kann man nicht mehr durch die einfachen Waren entflammen. Der erreichte Komfort und Standard bringen nur eine Langeweile mit, die ab und zu mit extremen Mitteln gelindert werden kann: Extremsport, Exzess oder Drogen. Aber es gibt auch andere Wege wie z. B. in die Waren geistigen und religiösen Sinn einzupacken.
 
Der Markt hat es erkannt: die Waren sind gar keine reinen Güter, sondern beinhalten ihre Bedeutung. Güter (Ware) = Güter + Bedeutung (Sinn). Diese Bedeutung kann spirituell und geistig erfüllt werden, sie kann beliebig bestimmt und gestaltet werden. Bedeutung, Sinn und Orientierung, die uns einmal die traditionellen Werte gestiftet haben (z.B. die Religion), wurden einst von politischen Ideologien übernommen. Nach deren Zerfall übernimmt der Markt die Aufgabe, den Sinn in einer für viele sinnlosen Gesellschaft zu stiften. Der Markt ist zu einer neuen Ideologie geworden, die eine religiöse und politisch-ideologische Rolle spielt. Wie eine Ideologie muss auch er verführen.

 
Die Verführung verspricht Erfüllung und Glück, die nie zustande kommen. Sie muss also ständig wiederholt werden und tritt anstelle der verlorenen traditionellen sinnspendenen Quellen wie Religion, kulturelle Zugehörigkeit und Familie. Mangel an diesen Werten führt zu Ersatzquellen des Sinns, zu Ersatzreligion und Ersatzglück. Sie sind überaII auf dem Markt zu finden.

 
 
 

Weitere Reflexionen


 
Die renitenten KonsumentInnen

Bewußtes Konsumieren
(Österreichische Initiative)
 
UNEP

The Marrakech Process Progress Report
Paving the Way for Sustainable Consumption and production. 2011

Der  Autor

 
 
 
 
 
 

 
Dr. Karol Giedrojc ist Theologe und  lebt in Wien.
Schwerpunkt: Glaube und Säkularisierung in der modernen Gesellschaft

Andere Ressourcen

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Kinder im Fokus der Werbung
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Hannes Jaenicke
"Dein Konsum ist Macht. Nutze sie!"
 
(Youtube, 0,30')
UNEP
Education for Sustainable Consumption
 
Bolz, Norbert:  Das konsumistische Manifest, Wilhelm Fink, 2002.
 
Koslowski; Peter / Birger P. Priddat, Hrsg.: Ethik des Konsums, Wilhelm Fink, Munchen 2006.
 
Mesching Alexander / Stuhr Mathias: Wunschlos unglücklich, Alles Ober Konsum, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2005.
 
Porter E. Michael / Kramer R. Mark: Strategy and Society: The Link Between Competetive Advantage and Corporate Social Responsibility, Harvard Business Rewiev, 12 (2006)
unmarrakesch
Konsum - nein danke!
"Containern"  aus Protest
Quelle: HR / ARD-Mediathek, 24.10.2010, 24'
Unser Konsum ist politisch
Die Macht der Verbraucher wächst. Kommentare von Ulrich Beck, Martina Hofhaus u.a.
 
Audiodatei.
Quelle: HR, 20.12.2010; 14,39'
Was is "LOHAS"?
Quelle: lohas.de

Zitate des Kapitels  

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