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Reflexionen  


10

. Kapitel: Die Umwelt bewahren

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Klimafragen aus christlich-ethischer Sicht


Dr. Irene Freudenschuss-Reichl


 
Das globale Klima ist eine klassische Allmende, ein öffentliches Gut, das es zu schützen gilt, sagen die deutschen Bischöfe. In einem gemeinsamen Text thematisieren sie den Klimaschutz als Frage der Gerechtigkeit und fordern ein entschiedenes Handeln.

 
Mit der wirtschaftswissenschaftlich unterlegten,
kategorischen Feststellung, dass Maßnahmen zur Verminderung des Klimawandels mittelfristig allemal billiger kommen als unser gegenwärtiges kollektives Nicht-Handeln gibt der Bericht des ehemaligen Chefökonomen der Weltbank, Sir Nicholas Stern, den Bestrebungen der Klimaschützer starken politischen Rückenwind:
&dbquo;(…)Wenn wir nicht handeln, werden die Kosten und Risken des Klimawandels jedes Jahr einem Verlust von zumindest 5 % des globalen Bruttonationaleinkom- mens entsprechen, jetzt und immer. (…) Die Kosten eines Tätigwerdens –die Treibhausgase reduzieren, um die ärgsten Auswirkungen des Klima- wandels abzuschwächen – können dagegen auf rund 1 % des globalen Bruttonationaleinkommens begrenzt werden,”
heißt es darin.
Da die wissenschaftlichen Unsicherheiten — dass es vom Menschen hervorgerrufene Klimaveränderung gibt, und welche ihre Auswirkungen sein können — im Wesentlichen schon länger
beseitigt sind, stützten sich die Gegner von Klimaschutzmaßnahmen bisher vor allem auf die ökonomischen Argumente: Klimaschutz sei zu teuer und unserer Wirtschaft bringe er unverhältnismässig hohe Wettbewerbsnachteile. Dieser Argumentation ist nun durch den
Stern-Report
auch weitgehend der Boden entzogen worden.

 
Im März 2005 legte die europäische Union durch einen Beschluss des Umweltministerrates als ihr Ziel fest, die globale Erwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten, weil alles darüber gefährlich wäre. Hinsichtlich der Erreichung der vertraglich übernommenen bzw. durch Selbstverpflichtung festgelegten CO2-Reduktionsziele gibt es jedoch bislang in den meisten
EU-Ländern
, inklusive
Österreich
, wenigsichtbare Fortschritte.

 
 

Die deutschen Bischöfe und der Klimawandel


Ein in der Reihe &dbquo;Die deutschen Bischöfe“ 2006 erschienener
Text
sieht den Klimawandel als einen
&dbquo;Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit“
und situiert Klimapolitik als eine zentrale Dimension christlicher Schöpfungsverantwortung. (...)

In Österreich: Das Sozialwort weiterentwickeln?


 
In Österreich einigten sich die christlichen Kirchen 2003 mit dem Ökumenischen Sozialwort auf einen wichtigen und umfassenden Text zu gesellschaftspolitischen Fragen. Im Kapitel &dbquo;Zukunftsfähigkeit: Schöpfungsverantwortung“ wird auch auf den Klimawandel eingegangen; allerdings naturgemäss nur in kurzer, um nicht zu sagen, kursorischer Form.
 
Vielleicht könnte das Vorbild der deutschen Bischöfe auch in Österreich eine eingehendere Befassung mit der Klimathematik im Kontext von christlicher Schöpfungsverantwortung und gelebter Ethik der Zukunftsfähigkeit auslösen.
 
Dabei könnten die Einsichten des eingangserwähnten Stern-Berichts und der seit Mitte September 2006 vorliegende Bericht der internationalen “
Task Force zu den globalen Gemeingütern
”  &dbquo;Meeting Global Challenges: International Cooperation in the National Interest“, herangezogen werden.
 
Eine Beschäftigung mit Klimapolitikaus christlichethischer Sicht wäre vordem Hintergrund der laufenden intensiven Diskussionen zu einer neuen europäischen Energiepolitik von größtem Interesse.
 
Derzeit wird in diesen Diskussionen vor allem – verständlicherweise – der Gesichtspunkt der europäischen Versorgungssicherheit betont. Die Gerechtigkeitsaspekte von Klimawandel bzw. Entwicklungsaspirationen von Entwicklungsländern, die unvermeidlicherweise mit erhöhtem Energieverbrauch einhergehen, müssen erst noch in Konzept und Praxis zufriedenstellend integriert werden.

 
 
 

Weitere Reflexionen


 
Catholic Ireland:  
Environmental theology

Die Autorin

 
 
 
 
 
 

 
Dr. Irene Freudenschuss- Reichl
ist Leiterin der Sektion Entwicklungs- zusammenarbeit im österreichischen Außenministerium, davor Tätigkeit bei der UNIDO und Mit- arbeit bei den
UN-Weltkonferenzen

 
PUBLIKATION
Zukunftsfähig leben
Spiritualität und Praxis der Nachhaltigkeit
Wien: Kath. Sozialakademie Österreichs, 2005 - 114 S.

Andere Ressourcen

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If you want peace, protect creation.
The legacy of Benedict XVI.
Jose Ignacio
Garcia, SJ
March 4, 2013
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Interview mit Marie-Monique Robin zu ihrem neuen Dokumentarfilm
Unser tägliches Gift
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